Sonntag, 17. Dezember 2017

Schikanen zum Advent



 Tanne, Mond und Sterne. Die Weihnachtsbäckerei kennt auch Stiefel, Rauschebart und Engelsflügel. In der Küche ächzen alle Tische unter den Brettern, Tiegeln und Schalen mit Marmelade, Schokostreußeln und Zuckerguss. Die Mausemädchen haben die letzten Stunden eifrig gewerkelt und machen nur "eine kurze Pause", um nebenan in der Stube am knisternden Kamin eine heiße Schokolade mit Zimt und Sahnehaube zu schlürfen.

 Der kleine Mausejunge nutzt die kurze Abwesenheit der Küchenmädchen, um noch schnell die ersten frischen Kekse zu testen. Sie sehen ja vielleicht lecker aus, aber sagt das auch etwas über den Geschmack aus?

Doch dann muss er die Produkt-Tests unterbrechen. Die anderen Jungs haben ein rundes Blechding mit vier Löchern gefunden.

Diese Blechscheibe können sie wie einen Käse rollen – doch wozu? Wenn es zwei gäbe, könnten sie ein Wettrollen machen. Vielleicht ist auch eine Geschicklichkeitsaufgabe. Mit der Riesenrolle um alle Hocker herumkurven … und kein Keks darf dabei zu Bruch gehen.

Doch irgendwas rappelt immer in dem Blechding, wenn sie es herumrollen. Wenn sie es flach machen, ist es plötzlich eine Deckeldose.

 Drinnen klappern so vier gleich lange Stäbe aus Wachs.
  
Da hat der erste Mausejunge die Idee. "Das sind Adventz-Krantz-Kertzen!" kräht er. Nur, dass es kein "Adventskrantz" ist – sondern eine Adventsdose.

Wenig später brennen die Kerzen schon mal zum dritten Advent. Eigentlich soll es ja kein kleiner Mäuserich wissen, aber die Streichhölzer liegen immer in der rechten Küchentischschublade neben den schrafen Scheren. Da niemand vorab weiß, wann er so etwas brauchen kann, passen bei solche Dingen die Jungens immer ganz genau auf und merken sich die Plätze – auch wenn sie dafür auf einen Hocker steigen müssen und vielleicht sogar noch eine Blechdose draufstellen müssen, um über den Schubladenrand gucken zu können. Jetzt sieht fast niemand, wie sie – auch ohne große Mäuse – die Lichter anzünden.

Fast niemand? Die rosa Bärin klatscht begeistert mit den Pfoten: Das wird ja eine tolle Adventssause.

Denn schon brausen die flinken Mauserenner heran …

und fädeln sich rechtzeitig bei der "Adventz-Kertzen-Schikane" ein.

Der große Weihnachtskeks-Rundkurs hat seine Herausforderungen an die besten Tretauto-Piloten der Welt, die hier auf einen gandenlosen Kampf Rad an Rad in der Küchenweltmeisterschaft antreten.

Dafür gibt es ein begeistertes Publikum, das hingerissen bei jedem Positionswechsel mitfiebert.

Der dritte Advent ist wirklich die pure Schikane. Immer wieder bremst der blaue Renner das gelbe Taxi aus.

Der Rot-Weiße mit seinem Flammenauspuff muss sogar mehrfach den Notausgang nehmen und kann gerade noch vor der Schaukeltribüne abbremsen.

Schon wenige Minuten später hat sich das Fahrerfeld weit auseinandergezogen. Vorbei an der Herdkehre nehmen sie die Hockerengstelle mit "Fullspied", drücken sich am Spüligeschlängel vorbei zum Kühlschrank-Tempodrom. Mit einem weiten Bogen, der fast voll geht, sausen sie auf der großen Zielgerade auf die Adventz-Krantz-Kertzen-Schikane zu, bevor es in die nächste Runde geht.

Richtig gut überholen kann auch der wagemutigste Pilot erst ab dem Kühlschrank. Davor muss er aufpassen, dass er sich nicht im Beingewirr von Hockern und Tischen verheddert. Und wer dabei ein Backblech oder die Mehltüte runterreißt, hat sowieso verloren und wird gnadenlos von den anderen abgehängt.

Da entdeckt Victoria die hell leuchtende Schikane in ihrer ganzen Lichterpracht.

Sie ist überhaupt nicht begeistert von der Küchenweltmeisterschaft. Tretrenner haben für sie eigentlch wenig in der Backstube zu suchen. Erst recht nicht, wenn die Tische noch voller Arbeit sind und überall scharfe Messer, Zutatengläser und schwere Bretter dicht an dicht bis zum Rand geparkt sind.

Die Schikane muss sofort ohne Licht auskommen und das ganze Rennen wird sogar abgebrochen. Die Jungs können sich ja Mütze und Schal holen und draußen in der Hofeinfahrt neu starten. Jetzt gleich? Nein, natürlich erst wenn es hell ist. Denn die Rennstrecke wird nicht mit flackernden Kerzen beleuchtet.

Dann beklagt sich Victoria noch beim Publikum. Wie kann es bei solchen gefahrenen Gefahren nur sensationslüstern auf der Leiter hocken?

Sie haben es ja gewusst: Es ist immer besser, wenn solche Weltmeisterschaften im Haus heimlich ausgetragen werden. Eigentlich gibt es immer "große Mecker", wenn es auffliegt. Ob sie die Kerzen wieder anzünden dürfen, wenn sie die Autos in die Garage schieben? Sie könnten ja versuchen, mit langen Stäben dort "Marschmellos" zu rösten. Drei Flammen für drei Jungen, das passt doch wie Arsch auf Eimer.


Idee: SchneiderHein       Fotos: W.Hein

Silke hat recht gehabt. Es sind zu viele Bilder und so musste die Geschichte noch mal in die Fotowerkstatt um vom zweiten auf den dritten Advent gesetzt werden zu können. Dabei war uns die Adventsdose von einer lieben langjährigen Blogleserin schon rechtzeitig vor dem ersten Advent geschickt worden.


Ein Herz für Füchse



Es ist schon der dritte Advent, an dem zwei Füchse im Lichterglanz zusammen sitzen. Alice und Phil könnten einfach nur die heutige Adventskalenderfüllung einatmen oder von einer der vielen Süßwarenschalen naschen, die auf geheimnisvolle Weise in der Vorweihnachtszeit sich überall vermehren. Doch ein Fuchs hat etwas Beunruhigendes dabei entdeckt.

"Man kann uns essen!" Phil ist entsetzt: Es gibt Füchse aus Weingummi. Füchse mit Cola-Geschmack.

 "Der sieht doch lecker aus," Alice findet, dass fuchs das nicht verallgemeinern sollte. Phil sollte zwischen wohlschmeckenden und ungenießbaren Rotschwänzen unterscheiden. Und diesen Gummifuchs würde sie schon nehmen, auch wenn sauersüßes Weingummi keine typische Adventsleckerei ist.
Phil kann es nicht glauben, Alice will doch tatsächlich so einen Gummifuchs gleich wegputzen.

Dabei sind Füchse doch ihre besten Freunde. Ständig wuseln einige um sie herum.

Das stimmt leider. Alice ist auch aufgefallen, dass immer ein paar winzige rote Spitznasen in der Nähe sind.

Sie streicht dem kleinen Rotschwanz über den Kopf. Diese Füchse will sie auch gar nicht futtern. Die sehen nälich ziemlich ungenießbar aus.

Nun gut, das kann diesen kleinen Holz-Füchsen wohl niemand erklären. Warum ihre weichen Brüder im Schlund verschwinden dürfen und ihnen keine Gefahr droht. Am besten sie verzichten auf jedes Fuchsfressen. "Dann muss ich mal kurz weg," verkündet plötzlich Alice.

Zurück bleibt Phil mit den kleinen Füchsen, die ein viel zu große Gans anfauchen.

"Tadaa! Ich esse auch keine Füchse. Brauch' ich nicht, weil ich was Besseres gefunden habe." Nicht weit von den schon wieder freigegämpften Nikolausstiefeln hat Alice eine knusprige Waffel mit satter Nuss-Schoko-Füllung gefunden, die mit einem Winterpinguin eingepackt ist.

Phil runzelt die Stirn: Doch die kleinen Füchse können so fröhlich weiterspielen.

Wenig später umringen sie neugierig Alice, die schon eifrig am Goldpapier nestelt.

Da kommt hinterrücks ein Phil: "Es ist jetzt ja kein Fuchs … aber sind nicht auch die Pinguine unsere Freunde?" Und schon treiben drei Esschollen mit steifen Frackträgern vor seinen Pfoten über das Parkett.

Die kleinen Füchse wuseln gleich um die drei Pinguine und Phil schaut mit zufriedenem Grinsen auf das Hüpfen, Jagen und Springen. "Das ist ja so gemein," grummelt Alice. "Ich schiebe hier Kohldampf, weil Herr Fuchs mit jedem auf Gut-Freund macht."

Drei Kerzen leuchten zum Advent und eine Füchsin missmutet. Sie weiß nicht, wie sie unbemerkt diese Schokoverpackung aufbekommt: Das ist doch nur bedrucktes Silberpapier. Nuss-Schnitten werden doch nicht wirklich mit Pinguinfett gebacken. Oder?


Fotos: W.Hein

Phil und Alice, zwei
Füchse von Tatiana Krivitskaya, spielen heute mit Figuren aus dem Erzgebirge, Die kleinen Füchse sind Reifentiere und die Pinguine eine Alternative zu klampfenden Engeln zur Weihnachtszeit.


Sonntag, 3. Dezember 2017

Rasch überrascht



 Der Bär pflügt in seinem Bügel-Klipp-Lederschlitten durch die weiße Pracht.

Der Tannenzweig mit der roten Beeren treibt die Festtagstasche hurtig durch den Schnee, der in einer wilden Fahrt davon stiebt.

Doch plötzlich bremst er scharf, als er plötzlich ein einladendes Licht entdeckt.

Sör Sörpries steigt mit leicht weichen Knien aus der Tasche, die er gegen die Kälte dick mit Holzwolle ausgepolstert hat. Nach so einem langen, scharfen Ritt muss er sich erst wieder die Glieder strecken, bis sie wieder gut durchblutet werden.

Noch leicht schwankend stapft der Bär auf das freundliche blinkende Licht zu. Er muss einige Schritte gehen, bis es wieder ein fester Tritt wird.

Das warme Licht ist ein Fenster, in dem schon ein Weihnachtsstern hängt. Auch hier beginnt die Vorweihnachtszeit festlich dekoriert. Wer mit einem geschmückten Tannenzweig über Eis und Schnee sausen kann, ist hier sicher richtig. Seine Lederbörse lässt er einfach im Winter stehen. Denn wer sollte damit schon davonfahren können.

Wenig später wärmt er sich die steifen Glieder am Kaminfeuer und drückt sich dabei wohlig in den weichen Sessel. Der Lichtschein aus dem Fenster, den er von draußen gesehen hat, gehört zu einer warmen Stube, in die er sich gern eingeladen hat.

Die kleine Bärin hat nichts dagegen. So ein Überraschungsgast hat sicher viel Aufregendes zu erzählen. So hockt sie sich auf ein Kissen auf den Boden vor den Bären und spitzt die runden Puschelohren.

Die kleine Bärin mit den weißen Fludderflügeln hat sich zwar in den letzten Stunden viel gewünscht. Aber sie ist sich sicher, einen Überraschungsgast hat sie dabei nicht herbei gesehnt. Aber sonst wäre er ja auch keine Überraschung!


Fotos: W.Hein

Der Bär Sir Surprise von Zhanna Zimokosova ist zwar mit seiner weihnachtlich dekorierten Lederbörse angereist. Aber eine echte Überraschung war er nicht, denn er war bestellt. Und auch hat er nicht den plötzlichen Wintereinbruch heute morgen als Schnee-Piste für die Reise genutzt. In Wahrheit saß er in einem schnöden Postpaket aus der Ukraine, das schon am Samsatg an die Tür gebracht wurde. Dafür war das ganze Päckchen aber liebevoll in weihnachtliches Geschenkpapier gehüllt.


Wunschkonzert


 
  Es weihnachtet heute schon heftig in der Stube. Der erste Advent zieht mit voller Wucht durch die Räume. Die Bärin hat sich tief in den Ledersessel gekuschelt, bis die erste Dekowelle durchgerauscht ist.

 Es ist zum Niederknien. Zum Beispiel vor der Etagere mit Petit Fours auf dem Teewagen. Überall tauchen so sündige Verführungen auf und locken die schwach im Willen sind.

Doch die Bärin lässt sich noch nicht ablenken. Wenn schon wehe Knie, dann soll es sich doch lohnen. Sie könnte schon mal ihre Wünsche für Weihnachten platzieren. Bevor die ganzen Mäuse und anderen Bären einfallen und es beim großen Wunschkonzert im Hause zu unübersichtlich wird.

 Das intensive Herunterbeten der Wünsche ist sicher effektiver als ein geschriebener Wunschzettel. Wer nimmt sich heute noch Zeit zum Lesen?

Ganz so selbstsüchtig will sie nicht sein. Sie wünscht sich auch etwas mehr Weltfrieden. Obwohl sie nicht sicher ist, ob der Weihnachtsmann auch dafür zuständig ist. Aber auch so wird das eine etwas längere Knieung, bis alle Wünsche durch sind. Und sie sich den süßen Dingen widmen kann. Sie nimmt sich besser ein Kissen für die Knie.


Fotos: W.Hein

Die kleine Wunschbärin mit den zarten Flügeln ist von Deb Canham.