Sonntag, 19. Februar 2017

Was macht der kleine Matrose am Wochenende?



Was macht Jack am Sonntag? Er sitzt mit Alice im 'Il Pinguino', das endlich die Winterpause beendet hat.

Die Mausemädchen sind auch schon da und stecken die Löffel in große Eisbecher. Da sind natürlich auch andere Farben als Erdbeer-Pink erlaubt.

Auch Lil Rosie und Ali Baba hoffen auf die ersten Sonnenstrahlen, die jedes Nordlicht sofort auf die Außenterrasse im nächsten Eiscafé treiben. Doch ein großes Eis mit Frucht, Minze und Schokostreusel zaubert auch schon an trüben Tagen den Sommer in die Becher.

Demnächst sehen wir hier mehr ...


Idee: Schneiderhein      Fotos: W. Hein
Mini-Mäuse: Deb Canham
Eis und Milchshakes: Mellis Minis und DollsHouseSuppliers


Donnerstag, 16. Februar 2017

Das zweite Gesicht



 Heute sitzt die hallische Buntsau sehr bequem.

Das ist der richtige Sessel zum schweren Schreibtisch. Für ernsthafte und gewichtige Dinge sollte schwein auch gewichtige Möbel haben: Um einen Lohnsteuerjahresausgleich zu machen. Oder einen genauen Putzwochenplan. Oder für das Studium der neuesten Reklameaktion. Oder für eine Besenreklamation – wenn beim ersten Wisch schon die Borsten knicken.

Doch erst nimmt sie eine Schaumzucker-Süssigkeit auf dressierter Waffel mit Migrationshintergrund. Oder wie es hieß, als dieses Arbeitszimmer noch jung war: Einen Negerkuss.


Fotos: W.Hein

Um dieses Arbeitszimmer ist Silke im Internet lange herum geschlichen. Es hat deutliche Spuren des Alterns und dafür einen stolzen Preis. Für viele ist das eine Zwangskombination – für uns eher die Frage, ob es das wirklich wert ist.
Doch gerade diese Möbel erinnern Silke an ihre Kindheit. Auf einem alten Foto aus den 60ern saß ihr schwergewichtiger Großvater während einer Familienfeier in einem ähnlichen Sessel mit geschwungenen Armlehnen. Doch das altersschwache Möbel ist nun schon seit einigen Jahren in den Keller verbannt. Ein recht ähnliches kleines Nähtischchen wie in diesem Konvolut hatte ihr Urgroßvater in den 30ern getischlert. Das Tischchen und ein ebenso dunkler Bücherschrank füllen noch immer das Wohnzimmer von Silkes Mutter. Doch der dazugehörige Schreibtisch ist schon lange verschwunden. Entweder durch den Krieg, oder weil er damals nicht in das noch sehr kleine Haus gepasst hätte. Dass diese Möbel jetzt im Kleinformat bei uns frisch angeliefert wurden, zeigt Hellas zweites Gesicht: Wenn die kleine Putzsau offensichtlich ein Faible für das Wohnen in den frühen 60er hat, so gibt es in der Zeit eben auch eine behäbige Gemütlichkeit in dunklem Holz, als deutliches Gegengewicht zum bisweilen sehr stakelig daherkommenden Fortschrittsglauben.

Sonntag, 12. Februar 2017

Think Pink!



Vielleicht sieht sie ja alles durch eine rosarote Brille. Aber alles in Pink würde ihr schon gefallen. Immer wenn Hella in ihrer Küche sitzt, träumt die saubere Sau von einem todschicken Wohnzimmer im schwungvoll-modernen Stil.

Pearl, Millie und Prettypink haben sofort zugesagt, als Hella sich vorab einen Schauraum ansehen konnte, so ein Ort zum Als-Ob-Wohnen. Wobei, wenn sie hier probieren sollen, ob Hella so leben kann, dann machen es die Mausemädchen gleich richtig mit sommerlichen Mixgetränken aus der Hausbar. Und stoßen mit dem Schwein schon mal auf die gehobene 'Atmossfähre' an.

Hella weiß zwar noch nicht, wo sie diese Möbel überhaupt stellen kann. Denn für eine kleine Putzsau ist eine Schweinevilla noch ein Traum. Aber träumen darf die Sau wohl doch. Sie schlürft am Kelchglas mit Kockteel-Kirsche und lässt beschwingt ihre Wünsche fliegen.

Zu ihren Füßen dudelt das Transistorradio und Hella versucht sich in die Liege im Weltraumdesign hineinzufläzen. Pearl hat derweil die herzhaften Mini-Pizzas entdeckt, die auf der Liegenspitze thronen. Wie auf einem Sprungbrett direkt in ihr hungriges Mäulchen.

Dieses Möbel ist vielleicht doch zu futuristisch für das praktische Hausschwein von heute. Die Sitzschale lässt sich super sauber halten – einmal feucht abwischen genügt. Dafür rutscht die arme Sau aber immer etwas haltlos auf der quietsch-glatten Oberfläche hin und her. Und wofür ist dieses Loch in der Sitzfläche? Damit sie dort ihr Ringelschwänzchen durchstecken kann?

Die Sau versucht es noch mal, sich auf dieser neumodischen 'Astroscheeselonge' bequem zu machen und muss sich dabei kräftig mit den Hinterläufen abstützen. Wenn sie so eine Liege ins Wohnzimmer nimmt, ist das nur was fürs Auge. Für den zarten Schweinepo will sie doch ein weiches, klassisch-flaches Polstermöbel.

Bei den eirigen Drehsesseln gibt es aber nichts zu meckern. Die dürften gleich mit … wenn Hella schon wüßte wohin. Das gilt auch für die glänzend-gekurvte Blühpflanzen-Insel aus Resopal. Prettypink nippt noch mal schnell am giftiggrünen Mintschälchen – bevor das Als-Ob-Wohnen dann doch viel zu schnell endet.


Idee: SchneiderHein      Fotos: W.Hein



Hella aus der Bärenhöhle Hannover hat es gern ordentlich, sauber und modern. Ohne zu viele Schnörkel, die man alle wieder abstauben muss. So entdeckt sie bisweilen schon jetzt immer wieder schicke Möbel, wie diese Designer-Eier-Sessel und die Kunststoff-Liege aus Italien – plus dem wildgeschwungenen Blumenständer. Mit diesen Möbeln und ihrer Küche würde das Schwein sofort in einen modernen Spanplattenbau einziehen. Aber wann das soweit sein wird, steht noch in den Sternen. Da hat das Schwein noch viel Zeit, die passende Einrichtung zu finden.



  Ein schweinischer Nachtrag:


Die kleine Sau wälzt sich quitschend auf der Sitzschale. Wenn sie die Haxen anzieht rutscht sie sofort in die Mitte der Plastikwanne.


 Wenig später reckt sie hilflos die Pfoten in die Luft. Auch die kleinen Mäusemädchen finden, dass das Schwein so etwas angestochen aussieht. Aber sie haben inzwischen auch einen kleinen Schwips und kichern die meiste Zeit ziemlich unziemlich.


Hella hat genug, es muss doch auch bequeme Flätzflächen geben. "Aber der passt nun gar nicht." Die kleinen Mauselinen in Pink schütteln gickernd den Kopf, als das Schwein Sessel aus der Nachbarkabine reinwuchtet. "Das flammende Rot beißt sich mit unseren Sesseln. Und das Auge sitzt doch mit."

Donnerstag, 9. Februar 2017

Mitternacht im Bistro



 Von wegen grau! Nachts sind alle Katzen hungrig. Und froh, dass noch ein Bistro geöffnet hat.

 Hier bekommen die Miezen noch schnell eine fettiges Gericht in eine Zeitung gewickelt. Das ist immer noch frischer als die Neuigkeiten vom Vortag.

Nur der schwarze Kater wäre gern schon wieder unterwegs in den frostigen Gassen. Er hat sein Fresspaket mit Fisch und Schipps noch nicht einmal angerührt.

Denn die Nacht ist nicht zum Schlafen da. Ob die Schiffe im Hafen festmachen oder aufs Meer hinaus müssen, kümmert katz nicht. Aber wenn sie hier weiter abhängen und träge gesättigt weiter auf den Hockern kleben, saust das Leben an Ihnen vorbei. Ohne dass sie sich ihren Anteil da herausreißen. Sie sollten sofort eine heiße Milch trinken oder was auch immer die Lebensgeister weckt.

Idee: SchneiderHein


Eine kleine Zwischenmahlzeit auch für den Blog. Die Deb Canham-Katzen haben einen neuen Katzentisch für die Nacht aufgemacht. Und haben sich offensichtlich an den Auslagen und der Microwelle selbst bedienen müssen.

Dienstag, 7. Februar 2017

Gut bürgerlich schMausen



Eirig kullernd versucht die gelbe Frucht ihrem Schicksal zu entfliehen. Daisy wollte sie gerade in zwei Hälften zerteilen, um sie besser auspressen zu können. Doch jetzt muss die Maus wieder vom Hocker steigen, um die Zitrone einzufangen. Es ist schon etwas unpraktisch, dass die kleinen Nager immer auf irgendwelche Schemel und Hocker klettern müssen, um an die Arbeitsflächen zu kommen. Und wieder runterklettern müssen, wenn sie etwas vergessen haben oder eben die Zutaten abhauen.

Der Kühlschrank hat da eine viel bessere 'Mausognomie' oder 'Greifhöhe' wie Gennie sagt. Die leckeren Dinge packt sie einfach auf die unteren Roste. Das große Eisfach ist zum Glück oben. Denn da sind die Dinge drin, die sowieso nicht taugen für eine mauseflinke Küche, die nie Zeit hat. Die Zutaten werden ruckzuck steinhart und eisekalt, sodass hungrige Mäuse ewig warten müssten, bis sie damit endlich weiter kochen könnten.


Daisy muss sogar noch auf die Leiter steigen, weil der Puderzucker etwas höher im Regal steht. Sie will Küchlein mit rotem Marmeladenherz zum Nachstisch backen und ist immer noch nicht im Ofen ankommen. Kein Wunder, wenn die Kleine die ganze Zeit immer nur rauf und runter klettern muss.

Olivia steht am Herd und brutzelt eifrig Bratwürste und Spiegeleier für das sämige Kartoffelpürree. Doch auf dem Tisch wird noch an der Suppe für die Vorspeise geschnippelt. Gennie schlägt die Pfoten an den Kopf: Also irgendwie haben die Mädchen noch nicht geklärt, wie die Speisefolge zum Sonntagsessen werden soll. Jetzt wird Olivias Hauptgang rußschwarz oder längst wieder kalt, wenn endlich die suppige Vorspeise aufgetischt wird. Und einen Nachtisch gibt es wohl erst unter der Woche, wenn Daisy weiterhin nur durch die Küche wieselt, statt endlich die letzten Kuchenkuhlen mit Marmelade zu füllen …

Millie und Prettypink kommen endlich wieder nach längerer Gesprächspause zum Suppenkochen. Die klare Gemüsesuppe könnte doch noch auf den Herd, wenn Olivia dort nicht schon alle Flammen besetzt hätte. Das sind doch alles Pfannen für Kurzgebratenes – das hätten sie doch sicher noch im Endspurt geschafft. Und Millie bastelt auch schon länger an einem Gulaschtopf. Mit viel Fleisch und wenig Sättigungsfüllern. So ein Gulasch wird am Besten, wenn man es stundenlang köchelt, bis das Filetfleisch fast schon in butterzarte Fasern zerfällt. Und es schmeckt so richtig lecker, wenn die Reste am nächsten Tag noch mal aufwärmt werden. Da kann Millie diesen Sonntag eigentlich längst vergessen und hat plötzlich noch ganz viel Zeit.

Daisy, die umtriebige Nachtischsbäckerin, hat inzwischen die Kräuterecke entdeckt. Jetzt durchwühlt sie das Blattwerk, ob sich im dichten Grün nicht doch noch eine Zitronenmelisse versteckt. Die ist sicher noch so flüchtig wie die gelben Schalenfrüchte und würde sich auch nicht so lange wehren, wenn sie für eine spritzige Zuckerzitronenglasur verarbeitet werden soll.

 "Mmmh! Leckerschmecker!" verkündet Millie, als sie den Rührer aus dem Gulaschtopf zieht und genüsslich ableckt. Muss sie das jetzt wirklich noch stundenlang auf kleiner Flamme ziehen lassen? Und wie dickt sie die Flüssigkeit ein, damit sie so dick wie braune Soße wird? Die anderen Mäuse sind gegen einen braunen Soßenbinder, weil das so künstlich sei. Vielleicht sollte sie getrocknete Kartoffelflocken einstreuen? Aber hat die eine Olivia nicht alle schon längst für ihr Pürree verbraten?

"Wenn du weiter so probierst," bremst sie Prettypink, "können wir gleich etwas Neues kochen." Die weiße Maus ist eigentlich nur vorbeigekommen, weil sie ein kleines Schnippelmesser zum Kartoffelschälen sucht. Aber jetzt befürchtet sie, dass ihre Freundin schon ihre Suppe auslöffelt, bevor sie auf den Tisch kommen soll.

Schnell bringt sie ein Tablett mit zwei Suppentellern. Wenn diese Suppe schon so lecker schmeckt, können sie doch jetzt gleich die Teller verteilen. So als Zwischendurchmahlzeit beim Kochen. Doch Millie hat bis jetzt nur die Flüssigkeit zwischen der stückigen Fleischeinlage probiert. Die Brocken sind noch ziemlich fest und wollen noch gar nicht zerfallen. Da muss der ganze Topf wieder auf den Herd.

 So wendet sich Pretty wieder dem Säbeln der Suppenkartoffel zu. Immer noch mit einem riesigen Kochmesser. Bevor sie sich in die Pfoten schneidet, kocht sie die Schale einfach mit. Soll doch auch viel gesünder sein.

Der kleine Träumer hat noch keine Zeit für das Mittagessen. Er pult immer neue Spielsachen aus dem Regal und entdeckt dabei ständig neue Spiele. Nun ist gerade das Hammerbrett dran. Da ist es gut, dass Victoria ihre Porzelanvasensammlung ganz oben im Regal in Sicherheit gebracht hat. Sonst hätte jetzt sicher jemand austesten müssen, wie denn so die unterschiedlichen Vasen klingen. Die dicken, die schlanken und die auf Füßchen. Dazu müsste die Frage geklärt werden, ob es auch wichtig ist, welche Art von Blumen auf die Klangkörper gemalt worden sind.

Auch Pearl hat keine Zeit für dieses ausgebige Mittagsschmausen mit dunklem Braten, schweren Soßen und buttertriefenden Gemüse, das die meiste Farbe schon im Topf gelassen hat. Heute sind es zwar nur im Pfannenfett liegende Bulletten mit allerlei Erbsen und Möhrchen. Nicht zu vergessen die Sättigungsbeilage aus gesalzenen Kartoffeln im Stück. Aber das lockt die Maus nicht hinterm grünen Kachelofen hervor. So eine rotleuchtende Süßspeise mit Sahnehaube ist dagegen ein unwiderstehlicher Magnet. Sie ist eine Süße und hat schon längst ein hungriges Knopfauge auf den Nachtisch geworfen.

 "Will jemand auf seinen klebrigen Kompott verzichten?" fragt das kleine Leckermaul. "Da ist sicher ganz viel ungesunder Zucker drin …" Sie wartet einen Moment, ob nicht das Klappern und Schaben auf den Tellern kurz aufhört oder sonst eine Reaktion vom Esstisch kommt. Doch nichts pasiert: "Ich tausche dafür auch meine frische Fleischpflanze und das andere – sicher ganz gesunde – Grünzeug …"

Albert nippt am Rharbarberwein. Der ist ein funkelnder Lichtblick in diesem ganzen wöchentlichen Sonntagsritual. Sie sitzen zwar schon am Esstisch mit dampfenden Töpfen und Schüsseln. Während in der Küche die Mädels noch mit der richtigen Speisefolge ringen, liegt auf seinem Teller schon ein volles Menü. Frikadelle mit knackigen Tiefkühlerbsen und dazu Kartoffeln mit einem glänzemdem Überzug aus geschmolzener Butter. Dazu noch ein Glas Fruchtwein – was könnte schöner sein, als eine genussvolle Auszeit in dem von Victoria dicht gestopften Sonntagsprogramm. Sie will den freien Tag nicht tatenlos verschwenden und hat heute noch einiges vor.
 
Doch jetzt möchte Victoria, dass sich alle am Tisch versammeln, um gemeinsam das gute Essen nicht umkommen zu lassen. Und das ist – wie jeden Sonntag – etwas schwierig. Zwei der Kleinen haben es immer noch nicht bis zum Tisch geschafft und stromern weiterhin durch das Zimmer.

 Sie hat sich ja längst daran gewöhnt, das Jack jeden Sonntag eine Extrawurst ohne Fleisch bekommt. Er sitzt wenigstens am Tisch vor einem Teller Pommes Schranke.

Alice hat dafür – auch wie jeden Sonntag – immer noch nichts auf dem Teller, weil sie die ganze Zeit etwas erzählen muss. Und deshalb nicht zum Auftun, geschweige denn zum eigentlichen Essen kommt. Den Teller kann Victoria wahrscheinlich nachher kurz abstauben, bevor er wieder in den Schrank kommt. Gerade beklagt sich Alice, dass Jack die ganze Zeit so mit der Gabel umherfuchtelt. Die ist so spitz und gefährlich. Jack hat sofort eine gute Idee: Er steckt auf das spitze Ende einfach ein Pommesstück – "mit Ketschupp." "Vorsicht! Wenn du weiter damit so wedelst, bekleckerst du noch mein Kleid!"

Victoria greift ein, um zu schlichten. Sie schlägt Alice einen Handel vor. Jack passt besser auf, wenn Alice dafür sich den Teller füllt und auf den Stuhl setzt, um die extra aufgetischten Speisen auch mal zu essen. Albert versucht inzwischen der frei fliegenden Pearl zu erklären, dass es Nachtisch heißt, weil man dafür erst einmal an den Tisch setzen und sich durch den Hauptgang arbeiten muss. Und weil das Ganze den selben Erfolg hat wie jeden Sonntag, nimmt er anschließend einen kräftigeren Schluck Wein.

 Pearl ist stattdessen bei der Käseplatte angekommen. "Ich könnte vorab ein Stück Käse nehmen. Wenn man am Sonntag nicht gleich mit dem Süßen anfangen darf." Aber eigentlich würde sie doch lieber erst die rote Grütze weglöffeln. Denn sie hat gehört, 'Käse schließt den Magen'. Und wenn der danach zu ist, passen keine süße Beeren in Zuckergelee mehr rein. Dann ist der 'Käse zum Essen' ja ein Trick, damit die anderen mehr Süßspeisen bekommen. Und die gibt es auch erst ganz am Schluss, weil dann die Chance größer ist, dass sich die meisten unvorsichtigerweise schon vorher pappsatt gefuttert haben.

Der kleine Träumer hat immer noch keine Zeit. Nach dem ganzen Holzgehämmer am Regal muss er unbedingt mit dem Blechmann reden. Vielleicht kann er ihn ja davon überzeugen, dass er mit in die andere Spielecke kommt. Er kann seine Freunde ja mitbringen. Der kleine Mäuserich hat genug Spielzeug für alle. Und viel Platz, weil die anderen sich alle nur am Tisch drängeln.

Alice erklärt Jack gerade, dass Pommes kein echtes Gemüse sind. Da hilft auch nicht, dass 'Ketschupp' aus Tomaten gemacht wird. "Ich nehm auch ganz viel davon!" beharrt der kleine Matrose. Trotzdem 'gesund' ist nur echtes Gemüse. Davon kann man nicht genug essen. Wenn die kluge Maus doch nur den eigenen Rat befolgen würde, denkt dabei Victoria. Denn noch ist der Teller von Alice immer noch leer. Sie hat einfach keine Zeit.

 Da kann Albert auch nicht helfen. Er macht doch schon, was er kann. Aber soll er alle an die Stühle binden und zwangsernähren? Oder ohne Essen ins Bett schicken? Oder sie fahren zum Fastfuudtempel und versinken in einem Berg von Verpackungsmüll, der sich auf schlichten Plastiktabletts türmt. Wenn jeder seine Baukastenmahlzeit in Papier und Pappe sucht.

Victoria seufzt, als sie sich dem eigenem Teller widmet. Bevor alles – wie bei den anderen – auch noch kalt wird. Das wäre bei all der Mühe einfach nur schade. Aber ist es denn so ein vermessener Wunsch, wenn sie doch einfach nur davon träumt, dass sie sich alle an einen Tisch setzen? Und dann ein gutes Essen gemeinsam genießen?

Hella hat die ganze Zeit in der Küche genau zugeschaut. Hier lädt sie sich sicher nicht zum Sonntagsschmaus ein …

Denn genau betrachtet ist alles, was hier gekocht wird, doch ziemlicher Schweinkram.


Idee: SchneiderHein       Fotos: W.Hein



Hella – Buntsau von Hanne Mahnke, Bärenhöhle Hannover
Alle Mäuse – Mini Mices von Deb Canham, Florida
Sonntagsspeisen – Miniaturen von Mellis Minis; Ebay

Wie am Veröffentlichungsdatum sieht, haben nicht nur die Mäuse ein Zeitproblem damit, den Sonntagsbraten rechtzeitig auf den Tisch zu bekommen ;-) Aber das EInrichten, Ausstaffieren, Beleben, Dokumentieren und am Ende das Nachbereiten dauert doch immer länger als geplant. Da ist es eigentlich – wie bei einer guten Gulaschsuppe – viel zu spät, wenn man erst am Sonntag anfängt.

Die liebevollen Miniaturmahlzeiten von Mellis Minis waren der Anlass, das ich von Silke meine früheren Leibspeisen zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Aber eben nur in Mausegröße, sodass jetzt dieser Post entstanden ist. Denn damit leben nun unsere Mäuse aus, was wir Großen uns künftig verkneifen sollten. Ob schwere Speisen, in Fett gebrutzelt, ob Zucker getarnt als Süßspeise oder Ketchup, ob Kuchen aus Weizenmehl oder reichlich Kochhilfen aus dem Labor und dazu noch der Alkohol. Das überlassen wir nun den kleinen Mäusen, die das alles besser wegstecken. Dazu gehören eben auch viele Speisen aus meinen Kindertagen, bei deren Erinnerung mir immer noch das Wasser im Mund zusammenläuft. Ob eine so sämige, fleischlastige Gulaschsuppe, die eigentlich schon als pures Rind mit Soße und ein paar Alibipilzen angesetzt war oder Buletten/Frikadellen mit reduziertem Schweineanteil dicht an dicht im Fett schwimmend. Dies und einiges mehr waren meine Favoriten in der Kochkunst meiner Mutter. Da war es später egal, dass dort mit Gewürzmischungen und Soßenbinder eigentlich Zutaten reinkamen, die in Silkes und meiner Küche schon lange keinen Platz mehr hatten. So sind die 'Originale' schon vor einigen Jahren verschwunden, als meine Mutter ihre Fähigkeit zu kochen langsam verlor. Nach ihrem Tod sind nun auch die Rezepte verloren. Aber inzwischen müssen wir uns keine Mühe geben, sie wieder neu zu entdecken – mit einer Typ 2 Diabetis sollte man – siehe oben – seine Nahrung lieber umstellen. Und solche Genüsse dann lieber nur noch hier auftischen.



Sonntag, 29. Januar 2017

Eine Pause vom Unheil



 Immer und überall Unheil verbreiten zu müssen ist ein schweres Brot. Dazu muss die ruchlose Hexe den lieben langen Tag noch Unholde durch die Küche scheuchen. Das wird selbst der rabenschwärzesten Seele manchmal zu viel.

 Dann zieht sich die grüne Hex in ihr Schuh-Kabinett zurück und träumt davon, eine ganz andere zu sein. Vielleicht so jemand, der an einem noblen 'Tag bei den Rennen' in Ascot 'den Pferden Pfeffer in den Arsch' streut. Die dafür wagenradgroße Hüte ausführt und sich dabei auf zierliche gepunktete Stockschirme stützt. 'Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.' Hah, bei ihr grünt nur das Gesicht, wenn sie sich grün und grüner ärgert. Weil das Schlechte der Welt so viel Arbeit macht und es schwer ist, dafür gut ausgebildete Handlanger des Grauens zu finden.

 Die fliegenden Affen zum Beispiel flattern ständig zwischen den Schuhregalen hin und her und fegen dabei immer wieder ganze Bretter mit Stöckelschuhen, Blocksandalen und Pantoletten zu Boden. "Pass auf meinen Hut auf," raunzt sie ihren flatterhaften Helfershelfer an, als der laut schnatternd mit der spitzen Kopfbedeckung davon hüpft.

 "Ich hab gesagt aufpassen und nicht aufsetzen," keift sie, ihm mit dem Stockschirm drohend. Der Affe springt empört auf und ab. Er hat doch noch gar nichts gemacht. "Ich habe ein Auge auf euch!" Sie kneift ein Auge zu, dreht sich langsam um die eigene Achse und deutet dabei mit der Spitze auf jeden einzelnen dienstbaren Geist. Das letzte Mal hat ihr fliegendes Personal die Hutspitze abgeknickt und dafür die Krempe aufgekrempelt. Statt Furcht und Schrecken zu verbreiten, sah sie damit nur noch mitleiderregend aus. Jetzt schaffen die Affen lieber schnell einen Spiegel und das passende Täschchen herbei, um die Hexe wieder gnädig zu stimmen.


 Es ist zum verrückt werden. Nun hat sie schon so viele Schuhe. Aber nie scheinen die Richtigen dabei zu sein. Dieses Pink passt zu dem klassischen schwarzweißen Pünktchenmuster auf keinen Fall. Doch halt: "Nicht wieder wegpacken, du Flugprimat," schnarrt sie aufgeregt: "Geschwind herbei die roten Glitzertreter mit diesen hohen Absätzen … so schön spitz, das sie töten könnten."
 
Töten können diese Absätze sicherlich. Tödlich ist auf jeden Fall auch das Fußbett. Denn so sehr sich der eifrige Helfer auch müht, er bekommt den schlanken Schuh nicht über den stattlichen Hexenfuß. Da hilft wohl nur ein Zauberspruch. Doch leider vermisst die griesgramgrüne Frau schon länger ihren Zauberstab. Und vielleicht sollte sie ihre Schuhe nicht immer nur im Internet bestellen. Da kann sie Größe und Passform immer so schlecht abschätzen und am Ende heißt es: "Ich schrei' vor Schmerz."

 Dabei hat sie noch nicht einmal versucht, ihre neusten Schnallenstiefel anzulegen. Schließlich träumt sie ja nicht von einem Folterkeller mit 50 Schatten von Grau. Sondern nur von einem Tag beim Pferderennen mit Törtchen und dem heiteren Geplauder mit der abgehobenen Gesellschaft.

 Es ist ganz furchtbar. Mit so dicken Füßen wird sie nie einen ihrer mörderisch-schicken Schuhe tragen können. Ermattet sinkt sie auf die Liege. Die Flatterknechte schaffen schnell das Grammophon für tröstende Weisen herbei. Dazu soll das Kästlein mit Düften und Essenzen die schniefende Seele trösten. Auch sonst reißen sich die Helfer zusammen. Sie verbreiten nur noch still und sanft leises Chaos.

Ach, was hat sie doch für fürsorgliche Unruhestifter, die ihr sogar eine Tasse Tee herbeifliegen, ohne das Meiste dabei zu verschütten. "Oh ja, lasst mich noch ein wenig an dem Veilchenduft schnuppern. Es erinnert mich an Schierling, Belladonna und Arsen, die man damit so schön überdecken kann."

 Doch eigentlich gibt es nur eine Hilfe, wenn die Herrin so niedergeschlagen ist. Mit flinken Flügelschlägen bringt der Affe sie sogleich

Neue silberne Schuhe mit Pfennigabsätzen und großen Schleifen. Sofort kommt die gesunde grüne Farbe in ihr Gesicht zurück. Die elende Miene hellt sich wieder auf. Schon richtet sich das eben noch so mutlose, von allen guten Schuhen verlassene Modeopfer von ihrem eingebildeten Krankenlager auf: "Die sind großartig! Ich benötige jetzt nur noch den passenden Hut."


Fotos: W.Hein

Die Amerikaner kennen noch ein zweites WWW außer dem World Wide Web. Den meisten ist die 'Wicked Witch of the West', die 'böse Hexe des Westens', genauso vertraut, wie hierzulande Rotkäppchen, Schneewittchen und deren böse Wölfe und Schwiegermütter. Diese missgelaunte Zauberfrau mit grünem Teint und Spitzhut gehört zum 'Zauberer von Oz'. Und spätestens seit dem Kinofilm in Technicolor ist klar, dass Hexen auf glänzende rote Schuhe
versessen sind. Nun, unsere ruchlose Hexe hat inzwischen nicht nur ein Paar rote Schuhe sondern einen begehbaren Schuhschrank. Dafür sind ihre fliegenden Helfer auch nicht ganz so furchterregend wie in Buch und Film. Aber das hat Deb Canham auch absichtlich so gemacht, als sie mit Hexe, Affen und vielen weiteren Figuren die Welt des 'Zauberers of Oz' auf ihre eigene Art und Weise gestaltet hat. Vor den Filmaffen hatte sich ihr Sohn immer gefürchtet. Diese hier bringen wohl eher nur etwas Unruhe und leichtes Durcheinander.