Samstag, 3. Dezember 2016

Unter Beobachtung



Keinen Mucks und genau hinschauen. Marcu der gestreifte Kater ist heute angekommen und macht sich erst einmal sehr klein. Was ihm nicht schwer fällt. Er beobachtet die große Katze, wie sie sich auf dem Kissen einprummelt. Diesen Schlafplatz kann er vergessen.

Marcu rührt sich nicht, bis die graue Katz endlich die Augen schließt und ihr Köpfchen immer weiter nach vorn sinkt. Er wartet besser reglos noch eine Weile. Katzen haben einen leichten Schlaf.


Fotos: W.Hein

Marcu von Teddyana hat uns ein wenig überrascht. Auf den Bildern im www war er zwar immer ein Tabbykater, aber er wirkte grauer – passend zu unseren beiden Damen. Zuvor musste er erst noch eine Messe in Paris besuchen. Als er heute nun endlich ankam, entpuppte sich sein Fell eher hellbeige, sodass er sich damit besser im Winterinnenwald unsichtbar machen kann. Und von dort kann der Miezerich noch genauer beobachten, was die großen Katzen im Laufe eines Tages alles so vorhaben … außer schlafen.


Freitag, 2. Dezember 2016

Tropfenfänger



Da kreuzen sich zwei spitze Nasen im Garten.

Die Rote ist nur eine Falschnase, die sich SnowWhite rechtzeitig für die kalten Tage aufgezogen hat. Dabei weiß er selber nicht, ob sie wirklich vor einem Schnupfen schützt oder ob einfach nur Tradition ist.

So hat das Langohr gehofft, dass die andere Spitznase wüsste, ob er jetzt besser ein Schnuffeltuch einpacken sollte. Wobei … wenn er gerade jetzt niesen müsste, wäre der Aufsatzzinken schon im Weg. "Aber das ist ja ein blöder Plastikvogel!" Das weiße Hase ist enttäuscht. "Der schwarze Zinken ist nur ein gewöhnlicher Krummschnabel, an dem jetzt immer die Tropfen hängen."

Na und? Dante versteht nicht, was den weißen Hasen so aufregt. Für ihn ist der schwarze Vogel einfach eine tolle Aussichtshilfe, die er besteigen kann.

Er kann jetzt weiter gucken als SnowWhite. Er überragt sogar den Blecheimer um Haupteslänge. Und weil der Vogel aus Plastik ist, hat er sich noch nicht einmal gewehrt, als der kleine Hase beim Raufklettern ordentlich strampeln musste.

So wundert er sich, warum der Schneehase so enttäuscht ist. Es ist desen erstes volles Jahr mit allen Jahreszeiten hier im Garten. Und da ist SnowWhite sich nie sicher, ob er immer richtig gekleidet ist. Manche halten ihn immer noch für einen Ganzjahres-Schneemann-Ersatz, der im Sommer doch eigentlich dahinschmelzen müsste. Er hat in der Zeit ja auch geschwitzt. Aber seit einen Monat wird es doch empfindlich feucht und kalt. Und da muss hase aufpassen, was diese wässrigen Attentäter auf sein Wohlbefinden anrichten können, die auch heute wieder am klammen Fell runterperlen.

"Hier fange ich mir nur einen eigenen Tropfen an der Nase ein." Und auch wenn es ein roter Falschzinken ist … wer weiß, ob daraus nicht ein echter Schnupfen wird. Das eigene feine Hasennäschen könnte ja gleich mitmachen. Es wird schon einen guten Grund haben, dass die flachen Schnuppernasen keinen Regen einfangen wollen.

"Was ist jetzt?" SnowWhite ist immer wieder erstaunt, wie trödelig der kleine Schwarzhase ist. "Willst du nun noch mit?"

"Wart',"hastig klettert Dante vom schwarzen Vogel. "ich komme!" So allein mag der Zipfelhase auch nicht im Garten sitzen bleiben. Wer weiß, wann der Nächste hier vorbei kommt. Und ob es dann ein aufregendes Abenteuer gibt, ist noch lange nicht in Sicht. Außerdem sind Alleinabenteuer nur halb so lustig wie zu zweit.

"Lass uns schnell reingehen, ich fühle schon ein Kribbeln in der Nase hochsteigen" Weiße Hasen sollten wirklich auf den ersten Schnee warten, bevor sie ihre Fähigkeiten zum hingebungsvollen Kränkeln voll entfalten können. "Schnief, der Hals kratzt auch schon etwas." "Du solltest einen heißen Kräutertee trinken," schlägt Dante vor. "Oh ja, und vielleicht einen Wadenwickel."

Zurück bleibt ein schwarzer Rabe, an dessen weit vorgestrecktem Schnabel sanft im Wind die Tropfen auf und ab wippen, bis sie runter fallen.


Fotos W.Hein

Eigentlich hätte der Post schon vor zwei Wochen erscheinen können. Denn da ist mein Elternhaus in Osnabrück endlich geräumt und abgegeben worden. Nachdem meine Mutter vor über zwei Jahren im Mai 2014 verstorben war, war ich lange Zeit unschlüssig und hilflos, wie ich mit dem ganzen Erbe verfahren sollte. Sie hatte ihr reich bestücktes Heim relativ überraschend verlassen müssen. Danach schien es mir unmöglich, diese Menge an Lebenszeichen gut unterzubringen. Zuvor hatte sie mir längst schon die Fähigkeit – und bisweilen den Fluch – vererbt, selbst viele Dinge über die Jahre zusammen zu tragen und diese in großen Sammlungen zu horten.

Jetzt war da plötzlich noch viel mehr, das meine Aufmerksamkeit benötigte und mich zunächst überforderte. So sah das Heim meiner Mutter noch lange nach ihren Tod so aus, als wäre sie gerade vor ein paar Stunden aus der Tür gegangen. In diesem Sommer nahm das Thema 'endgültiger Abschied' endlich Fahrt auf und Silke und ich begannen zu räumen und zu verteilen. Wenige Dinge zogen nach Hannover um, merkwürdigerweise viele Dekoteile, die wir meiner Mutter im Laufe der Jahre geschenkt hatten. Dazu noch einige persönliche Erinnerungsstücke, die aber nicht immer wirklich wertvoll sind. Die "eigentlichen Werte" haben wir noch versucht, kurzfristig umzuverteilen und manchmal kamen wir uns dabei wie ein Terrorkomando vor, wenn es mal wieder schwierig war, begeisterte Abnehmer zu finden. 'Wert' ist dann immer sehr relativ. Für uns sind es dagegen oft die banalen Dinge, die 'schwingen' und die Erinnerung tragen. 


Ein Raben-Suchbild aus diesem Sommer

So steckte dieser schwarze Plastikrabe viele Jahre auf einem halbhohen Spieß im Hochbeet meiner Mutter direkt an der Terrasse. Ob er dabei je einen echten Vogel erschreckt hat, wage ich zu bezweifeln. Aber er begrüßte mich bei jedem Besuch, wenn ich vom Wohnzimmer das erste Mal in den Garten blickte. In Osnabrück regnet es häufig, so hingen schon damals bei jedem Schauer die Tropfen am Schnabel. Nachdem das Haus Mitte November endlich geräumt war, und die Schlüssel an die neuen Besitzer übergeben werden konnten, bin ich noch einmal durch die leeren Räume gewandert. Meine Mutter war jetzt endlich ausgezogen. Und ihr Tropfenfänger begleitete uns in den Wildwuchs-Garten.


Dienstag, 29. November 2016

Ausgerechnet ein Esel



Wieso bin ich wieder der Esel? Rico kann es nicht fassen. Jedes Mal wenn sie das Schattentheater auspacken und den Scheinwerfer anwerfen, dann wird Copper zum Drachen. Den eine etwas zerstreute Frazier-Fee zurechtweist, wenn er zu wild durch den Lichtkegel saust. Und er, Rico, ist der Esel! Iaaah!

Da trippelt der Bär doch lieber als verhuschter König ins Licht.

Doch zu sagen hat deswegen noch lange nichts. Wer keine schöne Tochter hat, den lässt der Drache einfach stehen. Und die dickliche Flederelfe fliegt einfach vorbei, dem tobenden Ungeheuer endlich den steilen Zauberstab zu zeigen. Eine rote Karte gibt es im Schattenreich ja leider nicht.

Fee Frazier hat genug von den dreisten Drachentollheiten. Wenn der Echserich jetzt keine Flammen husten kann, kann er sich warm anziehen. Dann verwandelt die Zaubermutti ihn in ein Staubkorn oder eine Mücke, die ins Licht fliegen muss, bis sie sich dort versengt.

"Menno, was ist das für ein blödes Spiel." Copper ist entrüstet. "Wenn Drachen nicht so sein dürfen, wie sie nun mal sind!" "Gute Feen sind doch auch so, wie sie nun mal sind." "Eben!" grummelt die Flederechse. "Also sei bitte ein liebes Getüm," flötet die Pummelfee "Das ist nicht meine Natur." schüttelt sich der Drache. "Ähem, ich möchte nicht stören …" murmelt der kleine König. Aber es hört sowieso niemand zu. "Ich bin ein UNgeheuer, UNgestümes UNgetüm!" faucht der ungehaltene Drache. "Das gleich nur noch ein Fliegenschiss sein wird," kichert die Fee.

Wenn das so ist, kann Rico auch ein Esel bleiben. Der läuft nicht Gefahr mikroskopiert zu werden. Und wenn sich keiner um ihn kümmert, muss er noch nicht einmal Golddukaten kacken. Was bei Hartgeld sicher ziemlich schmerzhaft ist. Also doch: Iaaah Iaaah!


Fotos W.Hein

Das ist jetzt wieder nur ein kurzes Intermezzo auf dem Bärenblog. Davor der erste Advent ist wohl ein wenig zu lang geraten, denn statt nur Fuchsschwänze abzufackeln, musst auch noch geklärt werden, ob kleine Füchse endlcih an die ersehnten Eier kommen … Das hier ist eigentlich nur ein Lichttest mit dem Schattenspiel, den freunklicherweise Rico und Frazier von den Rica-Bären mit Copper von den Stepi-Bären gemacht haben. Ein Test für ein schwarzes Märchen, das wahrscheinlich wieder aus den Fugen geraten wird. Aber so gesehen plätschert der Bärenblog wie eine etwas unübersichtliche Seifenoper vor sich hin. Nur die ginge wenigstens regelmäßig auf Sendung.


Montag, 28. November 2016

Advent lichterloh



 Zwei Hornträger treffen sich am winterlichen Mooshügel. "Und? was gibt's Neues?" fragt sogleich die neugierige Geweihmaus Rudi. "Advent, Advent, ein Füchslein brennt," gibt der Poet zurück.

"Boah!" Der Mäuserich schüttelt ungläubig seine mächtigen Schaufeln: "Da fackeln sich hier die Füchse ab?"


Ungeduldig drängt Rudi das reimende Rindvieh mehr zu erzählen: "Los doch!" Der lässt sich nicht lange bitten: "Stift Reinicke durch den Wald rennt, wohl noch kein Feuer kennt. Die gierige Flamme ihn verschlingt, wenn er noch mit dem Hühnerhort ringt …" (das ist ja wirklich spannend … so spannend … dass ab hier auf die Reime verzichtet wird:)

Die beiden Füchse haben längst aufgegeben, ihren gefallenen Apfel gegen etwas Essbares einzutauschen. Inzwischen hat ihr Fund braune Stellen bekommen, die sich nicht mehr schöndrehen lassen. So müssen sie dann doch auf direktem Wege die Speisekammer finden.


Sie wundern sich immer wieder, wie schnell in diesem Haus die Wälder wandern, und sie plötzlich über bisher unbekanntes Reisig, neue Zapfen und frische Nadelzweige laufen. Diesmal gibt es sogar einen leuchtenden Baumstumpf am Wegesrand.


Sie huschen durch das Unterholz und denken nicht weiter über drei weitere hohle Baumstümpfe nach. Rasch weiter, wenn dort nichts Leckeres versteckt ist. Da liegen nur Wachsstümpfe mit schwarzen Zipfeln am Boden der offenen Rindenrollen.


Oben in den Wipfeln wundern sich zwei Experten für das Mausen, genauer das Fledermausen, dass sie offensichtlich Konkurrenz am Boden bekommen haben. Nur das diese ganz ausgefuchst ist und deshalb nicht maust sondern 'organisiert'.

Wenig später haben die Schlautiere auch die Speisekammer gefunden. Die ist nur eisekalt, sie mussten deshalb ganz schnell machen. Blöd ist auch, dass das Licht angeht, wenn sie heimlich die Tür öffnen wollen und wenn fuchs sich drinnen in Ruhe umsehen will und die Tür hinter sich zuzieht – ist das Licht wieder aus. Wer hat sich so etwas bloß ausgedacht?

Aber sie haben endlich ein leckeres Ei. Wenn der 'glückliche Finder' es schüttelt, hört fuchs … nichts. Nicht mal ein leises Schwappen. Das ist ein gutes Zeichen, dann ist es sicher noch frisch.

  Die beiden haben ihre Beute wieder ins neue Unterholz in Sicherheit gebracht. Wahrscheinlich ist der Wald so neu, dass ihn die meisten Hausbewohner noch nicht einmal bemerkt haben. Hierwird sicher niemand ein Ei vermissen oder ein verlorenes Ei suchen. Es könnte sich ja auch in dieser komischen Speisekammer verkullert haben.

Ganz unbemerkt ist die Eierumverteilung nicht geblieben. Zwei Bären haben gesehen, wie zwei Füchse erst mit leeren Pfoten verschwunden und mit vollen zurückgekehrt sind. Nur verstehen Alisa und Conroy nicht, warum die Füchse nicht etwas Praktischeres mitgehen lassen. So ein Ei hat doch eine feste Originalverpackung. Und drinnen schwappt so eine Glitschmasse, die überall hinläuft, wenn die Schale kaputtgeht. Wenn da gerade Frau Fuchs vorbeikommt, fragen sie sie am Besten, warum dass die Spitznasen so machen?

 Frau Fuchs ist entrüstet. Sie ist ein ziviliertes Rottier: "Ich mache nichts mit Eiern! Ich vergreife mich nicht an Kinderstuben. Ich trage ausgewachsene Hühner auf dem Kopf!" Und damit rauscht sie mit knatternder Kunstseide ab.

 Alisa und Conroy wundern sich. Sie haben doch gar nichts gegen das Eieressen. So lange sie nichts Gesundes dazu bekommen, wie Spinat oder anderes Grünzeug. Von dieser ganzen gedachten Esserei wird bär nur hungrig. Es wird doch bald Weihnachten, da gibt es vielleicht irgendwo schon einen frühen Teller mit Keksen oder eine überzählige Tüte mit Lebkuchenherzen.

 Das Festmahl kann beginnen. Sie müssen nur noch an den leckeren Inhalt kommen. Und das ist viel schwieriger als gedacht. Reinbeißen geht nicht: Von so einem Riesending bekommt der kleine Räuber glatt eine Maulsperre. Die Schale ist viel zu hart, um sie aufzuboxen und viel zu glatt, um sie aufzuknibbeln. Was nun? Der Rotfuchs zermartert sich den Kopf und beginnt dabei schon zu schwitzen.

 Er ist so abgelenkt, dass er gar nicht merkt, wo er seinen Fuchsschwanz abgelegt hat. Da ist es kein Wunder, dass er schwitzt … wenn die Haare am Ende gerade … "Feuer! Feuuerrr! Feuuuiou-auuuaaa!"

 "Halt nicht weglaufen!" Die Füchsin wirft sich geistesgegenwärtig auf die brennende Schwanzspitze, um die Flammen auszuschlagen und den Brand sofort zu ersticken.

Den Rest kann er auspusten. Die höllisch beißende Schwanzspitze wird gekühlt. Der Rauch aus den abgesengten Haare ist dann auch schneller davon geflogen. Er hält vorsichtig den Schwanz, während sie erst einmal in Ruhe einen Schreck bekommt. Vorher war dafür keine Zeit.

"Das war knapp!" Fast wäre der Kleine zur fliehenden Fuchsfackel geworden. So ein flinker Fuchsschwanz hätte gar nicht schnell genug sausen können. Doch was machen sie jetzt mit dem Ei?

 Das kleine Spitzohr hat eine phantastische Idee! Nur noch eine schnelle Besorgung und sie werden Eier schlürfen wie die Könige. Er huscht schnell davon – denn mit einem frischen Plan im Kopf … schmerzt die Schwanzspitze kaum noch.

 Was er nur wieder vorhat? Die Füchsein kann es kaum abwarten. Wie gut, dass das Ei noch so gut verpackt ist.

 Doch sie muss nicht lange warten, schon kehrt der kleine Fuchs vom erneuten 'Organisieren' zurück.

 Er hat genau aufgepasst, was die großen Tiere mit den Eiern anstellen. Erst gibt es kräftig auf den Kopf und wenn die Schale springt, helfen die Minikellen mit dem langen Stiel, um das Beste herauszuangeln.

 Jetzt hat jeder so einen 'Löffel'. Hurtig das Ei aufschlagen, dann können sie das Dotter 'auslöffeln'. "Hm," druckst die Füchsin. "Ich mag's nicht so glibberig." Kein Problem. So ein Feuer fängt nicht nur Schwänze. Das kocht sogar ganze Eier fest.

Damit schließt der Poet: "Sie müssen ja nur erraten, wie sie das Ei jetzt braten. So suchen unter jeder Tanne – die Füchse nun eine Pfanne."


Idee: SchneiderHein     Szenerie: S.Schneider     Fotos: W.Hein


Das Wichtigste vorab: Es sind für diesen Post keine Füchse misshandelt worden, und ihnen ist kein Haar gekrümmt, gescheige denn angekokelt worden. Es lebe die Fotoflunkerei und wer genau hinsieht, merkt auch die leichte Übertreibung. Dennoch war es ein gefährlicher Stunt, dass die Schwanzspitze über das Adventslicht gehalten werden musste.

Eigentlich hatte ich von Silke einen ganz anderen Auftrag zum Advent bekommen. Dann sagte ich etwas von "Advent, Advent, ein Füchslein rennt" und Silke verstand "… das Füchlein brennt!" und war begeistert. Schnell wurde die neue Adventsdeko erstellt und dann wunderte sich Silke, wieviel Personal so eine Fuchsschwanzfackel benötigt. Da ist der Poet von Anna Rudenko, Rudi von der Forrest Blue Factory. Dazu kommen endlich die beiden Füchse von Teddyana. Aber dass auch noch die Rica-Bären Alisa und Conroy mit Frau Fuchs von Natasha Kataeva und die beiden Fledermäuse von Hanne Mahnke ihren Senf dazugeben müssen, damit hat Silke nicht gerechnet. Dafür hat sie aber gut nachgerechnet, dass der Post erst nach dem Advent fertig werden dürfte. Also wieder nur zeitnah.



Sonntag, 20. November 2016

Auf kleinerer Fahrt



Jack blickt hoch vom Krähennest in die Weite.

 Die kleine weiße Maus hat mit ein paar Freunden das Boot geentert. Und jetzt gehen sie auf gemeinsam auf ganz große Fahrt im Gartenteich.

 Sie haben die Segel gesetzt und warten auf die nächste steife Brise.

 Ein Kielschwein wollte Hella nicht sein, aber eine Rudersau, dass geht schon in Ordnung. Sie muss noch nicht einmal zwischen beiden Rümpfen hin und her wetzen, denn beide Steuerruder sind mit einer gemeinsamen Pinne verbunden. Nur ist die sehr, sehr schwergängig.

 Wasser hat keine Balken, ein Katamaran-Deck schon. So hat sich auch Alice überzeigen lassen, mit an Bord zu kommen. Das Boot liegt wirklich ganz ruhig – wie es die kleine Maus versprochen hat. Nur wo ist nur Jack geblieben?

Endlich hat Alice den kleinen Mäuserich gefunden: "Komm da sofort runter! Das ist doch viel zu gefährlich." Wenn nun der Wind kommt oder eine Monsterwelle …

"Keine Angst!" beruhigt sie der kleine Federleichtmatrose. "Ich halte mich gut fest." Und außerdem hat sich das Boot bis jetzt keine Seemeile, keinen Knoten, keinen Fitzel bewegt.

Doch Alice bleibt mal wieder unerbittlich. Murrend steigt der kleine Mäuserich wieder runter zum Deck.

 Klein Alice ist schon wieder auf dem Weg zum naseweißen Kapitän. Ist das so richtig, wenn man die ganze Zeit im grünen Wackelpudding aus Algen und Wasserlinse festhängt? Wenn das Schiff schwimmt aber nicht fährt? Die Rudersau ist selber grün hinter den Schweineohren und hat da auch noch keine Ahnung.

 Der kleinen Maus ist auch schon aufgefallen, dass sie noch nicht einmal auf mittlerer Fahrt sind. Genau genommen sind sie auf keiner Fahrt.

 Wenn sie jetzt durch das freche Entern des Seglers sogar schon Piraten geworden sind, sind sie auf jeden Fall nicht gestrandet. Höchstens in Gelee gefangen. Denn diese grüne Suppe ist so zäh, dass sie einfach nur auf der Stelle hängen.

Da hilft auch kein zweiter Rumpf! Der hängt genauso im Glibber. Die weiße Maus ist ratlos, dafür hätten sie auch kein Boot kapern müssen.

Was sollen sie machen? Auf den Winter warten, bis sie von Eisschollen eingeschlossen werden? Oder hoffen, dass im Frühjahr die Krebsscheren und Wasserlinsen abgesunken sind und sie eine freie Rinne haben? Oder würde sie schon der nächste Herbststurm doch noch rausblasen? Aber dann wollen einige Besatzungsmitglieder vorher schnell noch von Bord!
 
Die Mäuse sind nicht die einzigen, die das Schiff gekapert haben. Für sie nicht sichtbar – haben acht Mann johoho ihre Totenmannskiste mitgebracht.

Voller Hingabe heulen sie ihre Seemannslieder in den nicht vorhanden Wind. Moderne Geister bevorzugen dabei den Rap: "Auf der Toten Manns Kiste, Mann für Mann ist hin. Fern von jeder Küste, der letzte Heuer längst dahin. Yeah!" 

 Und ganz wichtig, egal in welcher Version: die Buddel Rhabarberwein!

 "Yoh, Man! Nich schnacken – Schädel im Nacken. Für 'ne Buddel voll …

… glugluglucks!"

 Wenig später sind die toten Männer wirklich "Hicks!" hin.

Davon ahnen unsere Helden nichts und blasen weiter Trübsal. Damit hier wenigstens etwas bläst, wenn es schon nicht der Wind ist.


Idee: SchneiderHein     Fotos: W.Hein

Das ist schon wieder eine von Silkes Auftragsarbeiten. Zum Glück, denn fast wäre das Boot im Rahmen der Hausauflösung einfach nur umverteilt worden. Dabei hat es doch ideale Mausegröße, auch wenn wir Bedenken hätten, die kleine Mausebande allein auf den Maschsee zu lassen. Habe ich doch auf dem Weg zum Teich schon die Rudersau im Uferdickicht verloren. Und eine kleine weiße Maus ist während der Fotoaufnahmen wirklich grün hinter den Ohren geworden, als sie vom glatten Bootsdeck in den Teich gerutscht ist. Das nächste Mal brauchen sie auf jeden Fall Schwimmwesten. Am Erstaunlichsten ist aber, dass das Boot immer noch so gut im Wasser liegt. Das Großsegel ist schon etwas morsch und der Refftampen rissig. Aber die beiden Rümpfe sind auch nach über 40 Jahren immer noch dicht. Mein Vater konnte damals noch die Hoffnung haben, dass ich einmal in seine Segelstiefel schlüpfen würde. Denn auf dem Wasser unter Segeln war er immer glücklich. Und als ich einen Segelschein machen wollte, hatte ich sofort sein Übungsbuch und den Test-Tampen für die Seemannsknoten. Den haben inzwischen andere im Haus geerbt. Und Segelabenteuer erleben nun die Deb Canham Mäuse. Zusammen mit einer Buntsau von Hanne Mahnke und einem Hasen von Nugget-Bears.